Der lange Weg der Meister

Die Dan-Grade der Kampfkunst Karate

Mit dem 1. Dan fängt der lange Weg für den Karateka beim Karate erst an, denn Dan bedeutet „Stufe". Es ist der Anfang einer geistigen, charakterlichen und körperlichen Entwicklung. Der Dan-Träger strebt im Laufe der verschiedenen Meistergrade zur Perfektion. Die letzte Stufe eines lebenden Karateka ist der 10. Dan. Aber wie perfekt kann ein Mensch wirklich werden? In Japan wird der 10. Dan sehr selten vergeben und ist mehr ein Ehrentitel. Laut Wikipedia gibt es heute nur noch einen lebenden Meister mit dem 10.Dan. Der Japaner Hirokazu Kanazawa , am 3. Mai 1931 in der Präfektur Iwate, Japan geboren, ist einer der bedeutendsten Karate-Meister. Seit 2002 ist er Träger des 10. Dan Hanshi. Er hat mit dem legendären Shōtōkan-Gründer Funakoshi Gichin trainiert.

Schwarzgurt bei Karate

Schwarzgurt bei Karate

Die Dan Grade und ihre Bedeutung

Definition der Dan Grade bei Karate

In den verschiedenen Kampfsportrichtungen gibt es keine einheitliche Definition der Dan Grade. Was im Judo ein schwarzer Gürtel ist , muss in Karate noch lange keiner sein. Auch zwischen den Verbänden gibt es hier starke Unterschiede. Während der eine Verband zwischen den einzelnen Prüfungen bis zum 1. Dan verschieden lange Wartezeiten bis zum Schwarzgurt hat, wirbt der andere Verband mit verkürzten Wartezeiten und Sonderbehandlung bis zur 1. Dan Stufe.. Doch wer sich auf den Weg des traditionellen Karate begibt, lässt sich auch auf den Weg der Charakterbildung und der geistigen Weiterentwicklung ein. Deswegen sollte sich jeder Karateka bewusst sein, der seinen schwarzen Gürtel nur mit körperlichem Training in einer Rekordgeschwindigkeit erreichen möchte, dass er den Weg des traditionellen Karate do längst verlassen hat.

Die Danstufen (schwarzer Gürtel)

Das Dan-System ( Schwarzgurte - Kuro Obi ) hat Meister Gichin Funakoshi in das Karate - Do eingeführt. Davon sind vier Grade technische Meistergrade, die auch als Yudansha (Danträger) bezeichnet werden. Zur technischen Perfektion übt sich der Yudansha mit geistiger Voraussetzung (Shin) und der richtigen Haltung (Shi-sei). Das entspricht dem traditionellen Karate do, den Anforderungen des Weges.

Yudansha – Die Danträger der Grade 1-4

1. Dan Grad (Shodan)

„Der Grad des Suchenden"

Am Anfang seines langen Wegs der Dan Stufen hat der Shodan eine „Vorahnung" über das Wissen der Techniken. Der erste Dan bedeutet für ihn ein Ausgangspunkt für seine Entwicklung. Mit der technischen Grundlage des Trainings und seiner inneren Haltung hat er den Weg des Karate do gemeistert und begibt sich jetzt als „Suchender Schüler " auf den Weg zur geistigen Reife. Er ist interessiert an der Verbindung von Geist und Technik und sieht das als nächste Herausforderung. Oft besteht allerdings die Gefahr, dass er sich jetzt auf seinem 1. Dan ausruht und glaubt, schon genug erreicht zu haben.

2. Dan Grad (Nidan)

„Der Grad der Erkenntnis"

Der Schüler hat nun die Bedingungen des Weges durch seine rechte Haltung verstanden. Noch warten viele Hindernissen auf seinem Weg, doch er hat sich noch nicht endgültig entschieden, diese Herausforderungen mit allen Konsequenzen zu meistern. Dieser Dan-Grad wird auch "Schülers am Anfang des Weges" genannt. Seine intensive Karate-Praxis und sein Studium des Weges lassen ihn über den Tellerrand des reinen Kampfsports blicken und ihn den Weg der Kampfkunst verstehen. Er kann sie auf seine täglichen Lebenssituationen übertragen. Ob der Schüler allerdings den Anforderungen des Weges wirklich gewachsen ist, wird sich zeigen. Profiliert er sich oder sieht sich nicht mehr als Schüler, dann ist er dem wahren Weg der Meister nicht gewachsen.

3. Dan Grad (Sandan)

„Der Grad des anerkannten Wegschülers"

Der Karateka ist nun entschlossen den Weg der Kampfkunst bis an sein Lebensende zu gehen. Erst jetzt wird ihn der Meister als wahren Wegschüler anerkennen. Hier beginnt der Eintritt in die Ha-Form( Zweite Stufe des Shu-Ha-Ri – Wege und stufen des Lehrens) "Der anerkannte Schüler" zeigt an seiner Haltung und nicht nur an seinem technischen Fortschritt seine Weg-Stufe. Er lässt sich durch nichts von seinem Weg abbringen. Seine Treue gegenüber dem Stil (Ryu), dem Weg (Do), der Schule (Dojo) und dem Lehrer (Sensei) haben Kopf, Herz und Hand gleichermaßen gestärkt. Karate-Do ist ein wesentlicher Teil seines täglichen Lebens geworden und gibt ihm innere Stärke und Kraft.

Shu Ha Ri - Wege und Stufen des Lehrens

Mit Shu Ha Ri werden in der Trainingslehre Wege und Stufen des Lehrens beschrieben.

• Shu – Grundschule: einfache Techniken, Taikyoku, Dachi, Kihon, Kumite, Dojo Kun, Ausdauer

• Ha – Formschule: Kombinationen, Tori, Kata, Bunkai, technische Sauberkeit

• Ri – Wegschule: Formvollendete Techniken, technisches und geistiges Ziel verstanden, Atmung, Vielfalt der Kampfkunst

4. Dan Grad (Yondan)

„Der Experte der Technik"

Ab dem 4. Dan beginnt der Weg des Budos. Der Karateka hat nun die technischen und körperlichen Grenzen erreicht und weiß nun, dass er sich auf einer anderen Ebene des Budo-Weges neuen Herausforderungen stellen muss. Er lebt und verinnerlicht die geistigen Aspekte der Kampfkunst täglich im Dojo oder im Alltag. Der Yondan verbindet die Karate Philosophie und die Budo-Technik so miteinander, dass er Wege zur inneren Perfektion suchen und finden kann. Er ist in der Lage, seinen Geist, seine Atmung und seinen Ki-Fluß in den körperlichen Übungen zu kontrollieren und verleiht damit seiner Technik die maximale Wirkung. Jede Übung, ob Kata, Khion oder Kumite führt ihn zur Suche nach der inneren Wahrheit und Perfektion, denn nur dort liegt der Schlüssel zur Meisterschaft.

Die Ri-Stufe: Der Weg des Geistes

Kodansha- Die selbstständigen Lehrer und eigentlichen Meistergrade des Budo. Diese Grade werden in zwei Abschnitte, unterteilt:

1. Kokoro* (5.Dan und 6.Dan)

2. iro kokoro* (7.Dan bis 10.Dan) In den Graden werden die Titel Renshi, Kyoshi und Hanshi vergeben. Man spricht diesen Meistergraden Seishin (geistige Reife) zu. *Kokoro = Der Mensch mit Bewusstsein, er hat die Kunst verinnerlicht

Karate do

Der Weg des Geistes bei Karate

5. Dan Grad (Godan)

„Experte der Übung"

Der Karateka mit dem 5. Dan Grad bekommt den Titel Renshi - Mensch mit reifem Bewusstsein. Dieser Grad kann frühestens im Alter von 31 Jahren erreicht werden. Die Voraussetzung sind eine entsprechende Budo-Erfahrung und Lebenserfahrung. Der 5. Dan (Godan) und 6. Dan (Rokudan) zeichnen sich durch viel Wissen, Lebenserfahrung und eine starke innere Haltung aus. Das Karate-Do ist mit seiner Tradition ein wichtiges Lebensprinzip geworden. Der "Kodansha" ist kein "Schüler" mehr, sondern ein wahrer Meister. Er hat die Theorie und die Praxis verinnerlicht und ist ein Vorbild und mit seinem Wissen eine Autorität für seine Schüler. Er ist mit Herz, Geist und Seele ein Meister der Kampfkunst Karate.

6. Dan Grad (Rokkudan)

„Experte der Übung"

Auch bei dieser Stufe ist der Titel noch Renshi. Er wird sich trotz des 6. Dan bewusst um Klarheit, Selbsterkenntnis und Harmonie streben und sich ständig verbessern. Das betrifft seine geistigen sowie seine körperlichen Fähigkeiten, denn der stete Tropfen höhlt den Stein.

Die reine Ri-Form

Iro Kokoru ist die Stufe der Reife. Das sind die höchsten Graduierungen im Budo. Hier werden die Titel Kyoshi (7. und 8.Dan) und Hanshi (9. und 10.Dan) vergeben. In der Stufe des Kyoshi und des Hanshi spricht man von der reinen Ri-Form = Transzendenz im Wesen. Jetzt hat die Meisterschaft ihre Perfektion erreicht und mit dem 10. Dan vollendet.

7. Dan Grad (Nanadan)

„Experte des Unterrichts"

Der Kyoshi ist ein Großmeister des jeweiligen Stils. Im ist klar, dass er tägliche Übungen nicht durch geistige Übungen ersetzen kann und trainiert täglich. Er besitzt eine Klarheit über kosmische und menschliche Angelegenheiten und bekennt sich zum Leben und zur Überwindung des Todes. Er kann sich in den Zustand des Nichtbewegens versetzen und tritt in die Stufe der Ri-Form – Transzendenz im Wesen, ein.

8. Dan Grad (Hachidan)

„Experte des Unterrichts"

Der 8. Dan trägt ebenfalls den Titel Kyoshi - Großmeister des jeweiligen Stils. Auch der Hachidan übt täglich, denn „wer rastet, der rostet". Im Budo gibt es kein vorzeitiges Pensionsrecht oder Ruhestand. Das Training geht bis ins hohe Alter für viele bis zum Lebensende.

9. Dan Grad (Kudan)

„Vorbildhafter Lehrer"

Für den Hanshi-Großmeister des jeweiligen Stils, ist im Einklang mit sich selbst. Seine Handlungen zeichnen sich durch Harmonie mit den kosmischen Kräften aus. Er kann seinen Schülern das Tor zur Weisheit öffnen, dass über alle Techniken der Budo-Technik erhaben ist.

10. Dan Grad (Judan)

„Vorbildhafter Lehrer"

Der 10. Dan Hanshi ist der Großmeister des Stils. Diese Graduierung ist frühestens ab einem Lebensalter von 70 Jahren möglich. Diese Stufe nennt man auch „Meijin". Das Wort stammt vom Konfuzianismus ab und bedeutet „vollendeter Mensch". Die höchste Auszeichnung im Budō kann nur von der IMAF-Kokusai Budoin vergeben werden. Die Träger des 10. Dan sind ein Vorbild an höchster technischer Perfektion und tiefem geistigen Verständnis. Sie haben sich ihr Leben lang bemüht, die Entwicklung und Verbreitung des Budō-Gedanken in der ganzen Welt weiterzutragen.

Autor: Stefanie Wallner
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