Soziale Unterschiede? Nicht beim Karate!

Karate Gi – die traditionelle Bekleidung bei den Kampfkünsten

Karate wurde früher in Okinawa von Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten ausgeübt. Von Handwerker, Bauern bis Kaufleute sowie Hochschulprofessoren – Die Kampfkünste fanden überall Anhänger. Die Kleidung war anfangs je nach sozialen Hintergrund der Schüler unterschiedlich. Meister Funakoshi schaffte die Klassenunterschiede im Dojo ab und der weiße Karate Gi (Karateanzug) wurde ein Symbol der Gleichheit.

Karate-Gi

Ein Karateka mit traditionellen Karateanzug - dem Karate Gi

Der Karate Gi ist ein Symbol für die Unabhängigkeit vom sozialen Rang

Ursprung des Karate Gi

Der Karate Gi besteht aus einer Jacke (Uwagi) und einer Hose (Zubon). Die Form ist den Kimonos sehr ähnlich. Darüber trägt der Karateka einen Gürtel (Obi), der je nach Graduierungsgrad farbig sein kann. Früher unterschied sich die Kleidung der höhergestellten Gesellschaftsschichten von der einfachen Bevölkerung auch beim Kampfsport. Die Bauern trugen oft derbe Arbeitskleidung, während die Reichen eine Art Hosenrock (Hamaka) zur Kimonojacke trugen. Diese Art Beinbekleidung gibt es in einer abweichenden Form immer noch in vielen Budo Künsten. Dieser Hosenrock kommt aber ursprünglich aus Japan und nicht aus Okinawa.

"Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden."
Sokrates

Als Meister Funakoshi von Okinawa nach Japan kam, schaffte er zuerst die Klassenunterschiede in seinem Dojo ab. Seine Schüler sollten unabhängig von ihrem sozialen Rang die gleichen Voraussetzungen zur Wegübung – dem Karate do bekommen. Er entwarf einen Trainingsanzug, der eine Mischung aus dem schon bekannten Judo Gi und dem Hosenrock (Hamaka) war. Der Karate – Gi fand damit seinen Einzug in die Dojos!

Der Karate Gi

Wie auch der Judogi ist der Karate Gi aus sehr dichten, weißen Baumwollstoff gewebt. Normalerweise ist die Stoffstärke ca. 12 oz schwer. Doch es gibt auch leichtere und schwerere Materialien, je nach Geschmack des Kampfsportlers. Die weiße Farbe ist auch heute noch ein Symbol der Reinheit (Makoto) und hat deshalb für den Karateka eine besondere Bedeutung. Sie soll seine rechte Haltung bei der Ausübung des Karate do widerspiegeln und die gesellschaftlichen Unterschiede aufheben. Nur durch das Gürtelrangsystem unterscheiden sich die Karatekas in ihrem körperlichen und geistigen Fortschritt. Der Karate Gi wird gewickelt und seitlich geschnürt. Er ist vorne am Ausschnitt und am Ärmelende durch doppelten Stoff und feste Nähte verstärkt. Die Hose hat traditionell ebenfalls eine Schnur zum binden. Allerdings gibt es heutzutage auch schon Hosen mit Gummizug.

Die Vorteile vom schweren Gewebe beim Karate Anzug

Auch wenn das Gewicht eines Trainingsanzuges aus sehr dickem Material erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, so haben die 12 oz- 14 oz schweren Karate Gi gewisse Vorzüge:

  • Schweres Gewebe saugt besser den Schweiß und regelt somit optimal die Körpertemperatur.
  • Beim Kämpfen schützt das schwere Gewebe vor Schlägen.
  • Bei den Katas verursachen schnellere Bewegungen den bekannten „Peitschenknall".
  • Trotz starker Beanspruchung und häufiger Wäsche halten schwere Materialen sehr lange.

Tipp: Anfänger sollten mit einem 10 oz schweren Karateanzug anfangen. Bei häufigem Training braucht ein Karateka ohnehin bald einen zweiten Anzug und dann kann er immer noch ein stärkeres Material wählen.

Den Karate Gi auf traditionelle Weise zusammenlegen

Ordnung ist das halbe Leben – diesen Spruch kennt jeder aus seiner Kindheit oder verwendet ihn bei seinem eigenen Nachwuchs. Damit man an seinem Karate Gi lange Freude hat, sollte der Karateka ihn auf die traditionelle Weise zusammenlegen:

  1. Die Jacke ausbreiten und die vorderen Seitenteile bis zur Seitennaht übereinander schlagen.
  2. Die Hose in der Mitte falten und auf die Mitte der Jacke legen, den Bund der Hose dabei mit dem Kragen der Jacke abschließen lassen.
  3. Teile der Hosenbeine, die unten noch überstehen einfach an der Unterkante der Jacke nach oben schlagen
  4. Die linken Kante der Hose als Falzkante nehmen und die linke Hälfte der Jacke nach rechts umlegen
  5. Den überragenden Ärmel nach rechts zurückfalten
  6. Dasselbe rechts wiederholen und bündig mit der rechten Kante der Hose den überragenden Teil des Jackenärmels nach links zurückfalten
  7. Den oberen Teil etwas unterhalb der waagerechten Hälfte der Ärmel nach unten klappen und etwas unterhalb der Gürtellinie den unteren Teil nach oben klappen den Gürtel dreimal mittig gefaltet in die bleibende Vertiefung legen noch einmal waagerecht und hälftig falten.

https://www.youtube.com/watch?v=ObBJhkuoiC4

Mit diesem Video lernen Karatekas ihren Karate Gi vorbildlich auf traditionelle Weise zu falten.

Unterschiede der Form für Kata und Kumite

Es gibt zwei verschiedene Formen des Karateanzugs. Die Kumite Form und die Kata Form. Bei der Kumite Form sind die Hosenbeine und die Ärmel länger geschnitten. Das bietet dem Karateka beim Kämpfen mehr Schutz. Dagegen hat die Kata Form kürzere Ärmel und auch kürzere Hosenbeine. Die Hosen sind hier auch etwas weitergeschnitten. Damit hat der Karateka bei der Kata mehr Spielraum und Bewegungsfreiheit.

Tipp: Den Anzug nicht zu heiß waschen oder gleich eine Nummer größer kaufen, da das Baumwollgewebe bei häufiger Wäsche etwas eingeht.

Autor: Stefanie Wallner
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